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Komm rüber

Nele ist immer für andere stark. Jetzt zeigt ihre kleine Schwester ihr, dass auch sie Hilfe annehmen darf.

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Die Geschichte hinter dem Lied

Nele war zehn, ihre kleine Schwester sieben, als die beiden ein Kinderzimmer teilten. Manchmal ging es darin ziemlich laut zu. Nele zog sogar mit blauem Kreppband eine Linie über den Teppich: Diese Hälfte gehörte ihr, die andere ihrer Schwester. Auch die Haarklammern waren streng bewacht.

Nur bei Gewitter galt die Trennung nicht. Wenn ihre Schwester nachts mit einem Kissen an ihrem Bett stand, machte Nele Platz. „Komm rüber“, sagte sie – und plötzlich waren der Streit und die blaue Linie unwichtig.

Etwa zwanzig Jahre später ist Nele selbst Mutter einer zweijährigen Tochter. Sie schläft wenig und versucht, für alle da zu sein. Als die Kleine an einem Samstag unbedingt auf den Spielplatz möchte, nimmt ihre jüngere Schwester sie kurzerhand für zwei Stunden mit. Nele darf einfach ausruhen. Bei der Rückkehr umarmt sie ihre Schwester: „Das hab ich gebraucht.“

Zu Neles dreißigstem Geburtstag wird aus dieser kleinen Geste ein Lied. Früher machte Nele Platz, wenn ihre Schwester sie brauchte. Heute kann auch sie Hilfe annehmen. Das blaue Band ist lange verschwunden. Der Platz füreinander ist geblieben.

Der Liedtext

Strophe 1

Du warst zehn, ich sieben, unser Zimmer war nicht groß, du klebtest blaues Band – schon ging der Streit wieder los. Ich nahm mir deine Haarklammern, du sagtest: „Die sind mein!“ Doch nachts bei Blitz und Donner durfte ich bei dir sein. Ich stand mit meinem Kissen da, du rücktest an die Wand. „Komm rüber“, hast du nur gesagt – und meine Angst verschwand.

Refrain

Komm rüber, hier ist Platz für dich, so wie du damals Platz gemacht hast für mich. Du musst nicht immer die Starke sein, ich nehm dir was ab – du bist nicht allein.

Strophe 2

Deine Kleine ist jetzt zwei, am Samstag wollte sie raus, du hattest kaum geschlafen, ich nahm sie mit, du bliebst zu Haus. Zwei Stunden auf dem Spielplatz, dann standen wir vor der Tür, du nahmst mich fest in deine Arme und sagtest nur zu mir:

Vor dem Refrain

„Das hab ich gebraucht.“

Refrain

Komm rüber, hier ist Platz für dich, so wie du damals Platz gemacht hast für mich. Du musst nicht immer die Starke sein, ich nehm dir was ab – du bist nicht allein.

Bridge

Du wirst heut dreißig, Nele, ich glaub es selber kaum, ich seh uns noch mit zehn und sieben in dem kleinen Raum. Heut darf auch ich mal für dich die Große sein, du musst nicht alles selber schaffen – ich spring für dich ein.

Letzter Refrain

Komm rüber, hier ist Platz für dich, so wie du damals Platz gemacht hast für mich. Du musst nicht immer die Starke sein, ich nehm dir was ab – du bist nicht allein.

Schluss

Das blaue Band ist längst verschwunden, doch Platz für dich ist immer da.

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